"Das Huzulenpferd"

Im Anschluß an das Frühlings-/Maifest "Majowka" in Regietow und an die Ehrung der Sieger des zweiten  Eliminationsbewerbes für das vom 18.-20. Sept. 2009 stattfindende XV. Gebrauchspferde - Championat für das polnische Huzulenpferd fand am 24. und 25. Mai 2009 der Schulungsworkshop des PZHK
"Das Huzulenpferd" statt.

Der Polnische Pferdezuchtverband - PZHK - hat dazu im  Rahmen seiner Verpflichtung als jenes Land,  welches das Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse Huzulenpferd führt (nach EU-Richtlinien 92/353/EEC und 92/354/EEC), die Vertreter aller  staatlich registrierten Huzulen züchtenden Verbände eingeladen.

Herr Mag. Stanislaw Ciuba, der Direktor des Huzulengestütes Stadnina Koni Huculskich w Gladyszowie, war mit dem Gestüt und dem Hotel Jasmin Gastgeber bei dieser Veranstaltung. Wo sonst als im Gestüt in Gladyszow/Regietow (in Süd-Polen) hätten die praktischen Bewertungen sämtlicher Typen der Huzulenpferde anhand von Stuten und Hengsten vor Ort durchgeführt werden können! Die Vielfalt (Biodiversität) sämtlicher Typen von Huzulenpferden weltweit (einschließlich der rumänischen Zuchtrichtung) ist nur im größten Huzulengestüt in Polen - in Gladyszow/Regietow - möglich!  Schon alleine deshalb ist dem PZHK und Gladyszow zur Organisation und Durchführung dieses wichtigen Workshop zu danken! 

Der PZHK und die polnische Huzulenzucht waren mit allen Persönlichkeiten von Rang und Namen während der Schulung anwesend:

Herr Dr. Wladyszlaw Brejta, Präses des PZHK u. Direktor Odrzechowa/Zooinstitut derAgrar-Univ.Krakow;
Herr Dr. Andrzej Stasiowski, Direktor des PZHK und Zuchtrichter;
Frau Mgr. Czesnik Katarzyna, Leiterin Abtlg. Zuchtbuchführung im PZHK;
Frau Mgr. Paulina Peckiel, PZHK Organisation und Zuchtrichterin;
Herr Janusz Szot, Vizepräs. der HIF (HuculInternationalFederation) und Mitglied des Zuchtausschusses
für Huzulen im PZHK;
Frau Dr. inz. Iwona Tomczyk-Wrona, Wissenschaftliches Institut für Zootechnik in Balice/Krakow  und Mitglied der Zuchtausschusskommission für Huzulen im PZHK;
Frau Mgr. inz. Tereza Pracuch; Leiterin des OZHK Krakow und Zuchtrichterin;
Herr Mgr. inz. Andreas Goraus, Direktor des Hengstdepots in Polen- Süd in Klikowa/Tarnow und Mitglied des Zuchtausschusses für Huzulen des PZHK;
Herr. Mgr. inz. Marek Gibala, Vorsitzender des Zuchtausschusses und der Zuchtrichter-Kommission Huzulen
im PZHK und Leiter des OZHK Rzeszow;
Frau Mgr.inz. Barbara Jaklinska, Zuchtleiterin des Huzulen-Gestütes Gladyszow/Regietow
Herr Mgr. inz. Wladyszlaw Ciuba; Direktor des Huzulen-Gestütes Gladyszow/Regietow;
Herr Mgr. inz. Wlodzimierz Kario, während 25 Jahre - bis Ende 2004 - Direktor des Gestütes Gladyszow/Regietow, früher im Zuchtausschuss der HIF, hat die Huzulen (Mensch, Pferd und Kultur) in Europa wieder interessant und bekannt gemacht...
und Anna Deszczynska, Redakteurin und Fotografin der Fachzeitschrift KONPOLSKI, Warschau ...eine der besten Kennerinnen der Huzulen und deren Zuchtstätten international

Aus der BRD kamen Herr Hendrik Fiegel, als Vertreter der Bayrischen Landesanstalt für Landwirtschaft, Institut für Tierzucht;  Und Ingrid und Walter Hanke, Leiter der Sektion Huzulen im Bayerischen Pferdezuchtverband für Spezialrassen und seit vielen Jahren Züchter von Huzulen-und Konik Polski Pferden;
Die Ukraine war mit Herrn Dr. Holowach Miroszlaw, dem Vizepräsidenten der Akademie der Wissenschaften in Lviv (Lemberg) und Vertreter des Huzulenzuchtverbandes, präsent. 

 

Aus Österreich nahm Frau Christine Jansen als Vertreterin von Herrn Di Dr. Peter Zechner, GF des  OÖ Pferdzuchtverbandes teil, die außerdem auch  als  Repräsentantin des Club Hucul eingeladen war. 
Herr Dr. Ivan Urbas war als Vertretung für Prof. Dr. Manfred Maier, Obmann des ÖZP und Frau Elisabeth Ollinger, aus dem Vorstand des ÖZP, anwesend. Dem ersten und in ganz Österreich anerkannten Huzulen-Zuchtverband  nach Wiederaufnahme der Huzulenzucht im Jahre 1990/91.
 

Die HIF (Hucul International Federation) war persönlich durch Herrn Janusz Szot,  Vizepräsident der HIF, und bis 2007 auch Präses des Poln. Huzulenzuchtverbandes,  vertreten.

Die Schulung wurde von Herrn Dr. inz. Maciej Jackowski, Hochschule für Informatik und Verwaltung, Rzeszow, geleitet.
Dr. Jackowski ist Mitglied im Zuchtausschuss und der Richterkommission für Huzulen im PZHK; langjähriges Mitglied im Lehrkörper der Agrar Universität Krakow und bis 2002 Gen.Sekretär in der HIF und war wesentlich durch viele Jahre am Aufbau der Huzulenzucht mitbeteiligt.  

Als Dolmetscherin führte Frau Mrg. phil. Barbara Jackowska souverän durch die nicht einfach zu übersetzende Veranstaltung.

Als Schulungsunterlage stellte der PZHK eine aufwendig gestaltete, farbige Broschüre mit wissenschaftlichen Beiträgen in polnischer und deutscher Sprache und mit zahlreichen Fotos versehen,  zur Verfügung. (Nachfolgend die Überschriften mit Links zu den Texten in deutsch und polnisch!)

 

Die Schulung begann mit der Begrüßung der Gäste durch den Präsidenten des PZHK, Herrn Dr. Wladiszlaw Brejta, durch den Direktor des Gestütes, Herrn Mag. Stanislaw Ciuba  und durch den Leiter der Schulung, Herrn Dr. Maciej Jackowski.

Im Anschluß an das gemeinsame Dinner und die Vorstellung der Gäste fand ein Informationsaustausch mit anschließender Diskussion betreffend die Bedeutung und das Mandat der HIF in Bezug auf Aussagen zur Huzulenzucht in den einzelnen Ländern statt. Viele Informationen und Stellungnahmen zu dieser Causa wurden ausgetauscht und endlich einmal von Experten aus Tierzucht und der EU vor dem anwesenden und höchsten Gremium des PZHK belegt und klargestellt. Zum Abschluß an diese, nach viele Jahren endlich einmal offen geführten Debatten, sagten sowohl der Präsiden des PZHK, Herr Dr.Brejta, als auch Direktor des PZHK, Herr Dr. Andrzej Stasiowski, und Herr Janusz Szot, Vizepräsident der HIF, Klarstellungen zum Mandat der HIF in Beziehung zur internationalen Huzulenszene, das heißt, für die vom Staat als offiziell anerkannten und (auch) Huzulen züchtenden Verbände der einzelnen Länder,  zu.
Der PZHK wird in Hinkunft  im Rahmen der Aufgaben des Ursprungslandes für Huzulen  seinen Verpflichtungen selbst nachkommen und diese Aufgaben künftig nichtmehr an die HIF delegieren. 

Die theoretische Schulung begann dann mit dem sehr gut aufbereiteten Vortrag von Dr. Maciej Jackowski "Über das Huzulenpferd"  mit Meinungsaustausch und sachlich gut geführten Diskussionen am runden Tisch. Danach folgte ein - meinem Wissensstand nach noch nie in dieser Form praktizierter - praktischer Teil, mit der Präsentation von 7 Zuchthengsten und 15 Zuchtstuten verschiedener Familien/Stämme/Typen aus dem Gestüt, anhand derer eine offene Zuchtbewertung vier verschiedener Gruppen nach unterschiedlichen Bewertungssystemen durchgeführt wurde. Woraus sich im Anschluß an jede Bewertungsrunde äußerst angeregte und informative  Diskussionen zwischen den einzelnen Gruppen/Ländern in Bezug auf Diversitäten in Phänotyp und Genotyp bei den Wertnoten zu den einzelnen Pferden ergaben. Wobei im Ergebnis die Bewertungen aller im Wesentlichen sehr stimmig herauskam. Mit Ausrichtung auf Zuchtziele,  Erhaltung des alten Typs in der Zucht, und mit Blickrichtung auf eventuelle Valorisierung der Zuchtkriterien aufgrund heutzutage geänderter Umwelt/Aufzucht/Nutzungs- und Haltungsbedingungen/Möglichkeiten des Huzulenpferdes. Die Diskussionen wurden sachlich, informativ im Austausch und in sehr angenehmer Atmosphäre geführt.

Bei traumhaft schönem Wetter und bereits sommerlichen Temperaturen erging für alle Teilnehmer des Seminares am Montag nachmittag eine Einladung vom Direktor des Gestütes, Herrn Mag. Ciuba,  zu einer Kutschenfahrt ins Weidegebiet der Huzulenstuten.  Ein Ausflug auf drei Kutschen verteilt, durch naturbelassenes Gebiet, einer lieblichen Landschaft in den niederen Beskiden bis hin zur slowakischen Grenze nach Regietka begann. Ein kleiner historischer Exkurs, vorgetragen vom Direktor, folgte auf einer wunderschönen Anhöhe zur Grenze der Slowakei, einem einst von Lemken dicht besiedelten und bewirtschafteten Gebiet. Bei der Rückfahrt kamen wir zum Sammelplatz der Huzulenstuten, die uns als eine selbstbewußte, wunderschöne Stutenherde interessiert begrüßte und beäugte,  bevor sie ruhig und gelassen im Herdenverband hinter der Leitstute den Berg hinauf trabte und unseren Blicken entschwand. Für unterwegs hatte uns der gastfreundliche Direktor von Gladyszow/Regietow mit reichlich guter Speise und Trank vom Feinsten versorgt. Ein Kopfweh danach gibt`s dabei nicht.

Die Schulung endete mit einem Abendessen und dem Statement der Herren Dir.Dr. Stasiowski und Mag. Gibala über eine äußerst gelungene Veranstaltung in bester Atmosphäre mit regem Meinungsaustausch.  Direktor Mag. Ciuba bedankte sich für die rege Mitarbeit aller Teilnehmer und verlieh seinem Erstaunen über das breite Wissen der Gäste aus dem Ausland in Bezug auf die Huzulen(zucht)  Ausdruck. Und er bedankte sich für das Interesse aller Beteiligten an weiteren Veranstaltungen wieder im Gestüt in Regietow teilnehmen zu wollen.
Wir dankten dem Präsidenten und dem Vorstand des PZHK für die Einladung, für die sehr straff und gut aufbereitete Schulung an sich und für die Durchführung dieses hervorragend organisierten Meetings, trotz des gleichzeitig zu Ende gegangenen Frühlingsfestes mit hoher Beteiligung von Huzulenpferden an den Zucht- und Sportbewerben mit großem Zeitaufwand für das Gestütspersonal.  

Der Direktor des PZHK, Herr Dr. Andrzej Stasiowski und Mag. Marek Gibala sicherten die Absicht zur Abhaltung weiterer, gemeinsamer Schulungen und Internationaler Veranstaltungen zu und werden die Teilnahme Polnischer Pferde mit Ihrer Anwesenheit und Delegationen privater Züchter beim 1. Internationalen Huzulen-Championat in Stadl Paura unterstützen. Herr Direktor Ciuba wird mit einer Reiterequipe aus dem Staatsgestüt Regietow nach Stadl Paura kommen.

Herr Dr. Maciej Jackowski bedankte sich für das Interesse und die Aufgeschlossenheit aller Teilnehmer und Dir. Ciuba dachte bereits laut eine Schulung mit Dr. Urbas und Dr. Jackowski für die eigene Mannschaft und Züchter überhaupt im Gestüt in Galdyszow an.  

Herr Dr. Miroszlaw Holowach hat zu den Huzulentagen in der Ukraine eingeladen, und Herr Dir. Stanislaw Ciuba wird zu dem heuer stattfindenden besonderen Fest, dem Jubiläum zu den XV DNI HUCULSKIE in Gladyszow/Regietow, persönlich einladen.     

Der Präsident des PZHK, Herr Dir. Dr. Wladyslaw Brejta, und der Direktor des Polnischen Pferde Zuchtverbandes, Herr Dr. Andrzej Stasiowski, haben in ihren Statements bekräftigt, in Hinkunft ihre Aufgaben (nach EU-Richtlinien 92/353/EEC und 92/354/EEC,  als das Land, welches das Zuchtbuch über den Ursprung der Rasse Huzulenpferd führt) selbst zu managen und nichtmehr der HIF (Hucul International Federation) zu überlassen, da die HIF diese Aufgaben eines Ursprungslandes nicht entsprechend dem EU-Reglement (mit Anerkennung und Einladung aller offiziellen, Huzulen züchtenden Verbände zu sämtlichen Seminaren und Veranstaltungen) abwickelt. Wie diese Statements der Verantwortlichen im Polnischen Pferde Zuchtverband umgesetzt werden bleibt abzuwarten.

Das nächste gemeinsame Seminar wird laut PZHK vom 2. - 4. Oktober 2009 in Österreich im Rahmen des 1. Internationalen Huzulen-Championates im Pferdezentrum Stadl Paura  stattfinden.

Protokoll des PZHK

Zertifikat

Bildergalerien: 

zum Seminar

zum Staatsgestüt Gladyszow/Regietow

zur Landpartie

zum Ausklang des Frühlingsfestes

zur Siegerehrung


Nachwort

In keinem anderen Volk, in keiner Nation werden die Huzulen und die Huzulenpferde so häufig in ihrer Kultur, in ihrer Geschichte, in der Literatur, in der Musik und in ihrem Leiden mehr in Verbindung gebracht als mit der Geschichte des Polnischen Volkes. Das Huzulenpferd hat als "Wirtschaftsfaktor Pferd" heutzutage kaummehr Bedeutung und kann daher als eine "Spezialpferderasse mit geringer Auflage" in dieser Hinsicht auf große
finanzielle Unterstützung nicht rechnen. Die Haltung dieses kleinen, tüchtigen und intelligenten Pferdes heute ist Philosophie mit Reminiszenzen einer ganz eigenen Spezies des Homo Sapiens.  Mit Förderungen aus dem Genreserve-Pool der EU und aus dem eigenen Agrarministerium lassen sich die notwenigen Gelder zur Erhaltung dieser Rasse nicht lukrieren.

Für Polen bedeutet diese Tatsache nicht nur eine Verpflichtung zur massiven finanziellen Unterstützung  und somit zur Erhaltung der Huzulenpferde und deren Gestüte,  ...auch zur Erhaltung des einzigen Hengstdepots Südpolens, des allseits bekannten Gestütes Klikowa/Tarnow.

Für Polen bedeutet die Anstrengung zur Erhaltung dieser Pferderasse die Akzeptanz seiner eigenen Geschichte mit seinen ethnischen Gruppierungen und der Vielfalt in seiner Kultur. Damit beim Klang der Namen HUZULEN-GALIZIEN-HUZULEI-KOSIV-KOLOMEA, bei Namen jüdischer Schriftsteller, Musiker, Rabbis, über huzulische Handwerkskunst und jüdische Pferdehändler - die die besten waren -  auch für nachkommende Generationen die Geschichte Polens immer lebendig bleiben wird. 

In Anbetracht der Historie der Regionen der Karpaten bis Czernowitz, in denen die Huzulen mit ihren Pferde zuhause waren,  und in Anbetracht der Historie ihrer Nutzung trifft diese Verpflichtung der Unterstützung zur Erhaltung dieses Kulturgutes Huzulenpferd und deren Gestüte aber auch die/alle Nachfolgestaaten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie und damit insbesondere auch Österreich.

Ein Nachwort zum Nachwort:    "Ich bin ein Galizier"  (Übersetzung vom Autor)   polnische Originalversion

Prof. Dr. Adam Zielinski, geboren in Drohobycz, heute Ukraine, lebt mit seiner Familie seit vielen Jahren in Wien und ist als ein viel beachteter "spätberufener"  Schriftsteller,  genannt  " der letzte Galizianer",  vielfach international ausgezeichnet worden. 

 …Er kam erst vor einigen Tagen aus der Ukraine zurück, wo man ihn mit dem Doktor h.c.. bedacht hat.  Vor einigen Wochen eröffnete er die Polnische Buchmesse in Warschau mit und am 10 Juni bekommt Adam Zielinski den „literarischen Zepter“ in der Universität in Krakow und am gleichen Tag irgendwelche staatliche Auszeichnung auf der Burg Wawel.

Ich lege Ihnen daher wieder einmal seinen Artikel "Ich bin ein Galizier" ans Herz. Damit die Geschichte nicht dem Vergessen zum Opfer fällt.

Zum Autor:
Adam Zielinski,
geb. im Juni 1929 in Drohobycz*, Galizien,
verwaist während des II. Weltkriegs, 
1947 Matura im Witkiewicz-Gymnasium in Krakau…Biographie:
http://www.adamzielinski.com/

*Drohobycz: nicht gerade eine der schönsten Städte Galiziens, aber u.a. - damals - mit der größten Erdöl/Raffinerieanlage Österreich-Ungarns - eine der größten Handels-und Industriestädte Galiziens,  mit dem größten Bezirksgericht Österreichs mit 30 (!)  Richtern, berühmten Kunstdenkmälern, Kirchen, Obergymnasium,etc )……

ps: Weiteres Fotomaterial mit Hinweis  auf die Kultur der Huzulen in Galizien finden Sie in Kürze auf dieser unserer Homepage